Halbzeit

February 17th, 2011 by admin

In wenigen Tagen steht bei mir nun schon die Halbzeit an und aus diesem Grund wird es für mich mal wieder höchste Zeit euch etwas aus dem immer wärmer werdenden Ghana zu berichten.

In den letzten Wochen haben einige kleine Veränderungen stattgefunden, denn fast einen Monat arbeite ich nun schon in Cape Coast am Shop und in unserem neueröffneten Guesthouse. Eigentlich sollte ich nur eingelernt werden, aber ob ich hier erstmal bleiben werde oder wieder an den Center zu den Kindern gehen werde (was ich mir wünschen würde) wird sich in den nächsten Tagen entscheiden…  Denn das Leben in Cape, der Shop und der Alltag hier sind doch sehr anders, wenn nicht das komplette Gegenteil zum Center oder Kissi.

Doch bevor ich beginne den Shopalltag in Cape Coast zu beschreiben, möchte ich Euch noch eine kleine Erfolgsgeschichte erzählen.

Ich kann mich noch genau an die ersten Tage am Center erinnern; viele neue Eindrücke, aber vor allem um die 80 neuen Kindergesichter, versechiedensten Alters, die sich alle, mit mir völlig fremden Namen, vorgestellt haben.  Unteranderem Emmanuel, 15 Jahre alt, Klassenbester der Middle Class, stach mir schnell ins Auge…etwas schmächtig und mit einem sehr schüchternen Blick stellte er sich mir vor. Später erfahre ich von einer alten Volontärin, dass er seit langem an einer Magenkrankheit (Blut im Stuhl und regelmäßiges Blutspucken) leidet und aus diesem Grund reizenden Dinge wie Pfeffer, Salz oder Säuren zu sich nehmen kann. Die Mahlzeiten am Center, werden in riesigen Mengen zubereitet, sodass er sich so gut wie nur von weißem Reis und Weißbrot ernähren konnte… d.h. das er mit einer vollkommenen Fehl- und Unterernährung gelebt hat. Uns Volontären wurde mitgeteilt, dass es gut sein kann, dass er dieses Jahr noch sterben wird, da kein Geld weitere Behandlungen da sei und auch die Doktoren nicht weiter wüssten. Ob diese Informationaus einer zuverlässigen Quelle stammte, darüber lässt sich streiten…

Als ich von dem Essproblem hörte, machte ich es mir zur Aufgabe jeden Morgen, mit frischem Gemüse von der Farm, sein Essen für Mittags und Abends zu kochen. Das war Anfangs nicht einfach, da die Küchenladies sich mir ziemlich in den Weg gestellt haben, da sie das Essen als „Extrawurst“ angesehen haben und dachten ich würde ihre Fähigkeiten des Kochens in Frage stellen. Nach einem kleinen Kampf und einigen Diskussionen haben sie es dann aber doch eingesehen und so haben wir jeden morgen zusammen gekocht.

Anfangs lag Emmanuel oft schweißnass in seine Zimmer auf dem Boden, krümmte sich vor Schmerzen und konnte tagelang den Unterricht nicht besuchen. Mit der Zeit wurde es immer besser und jetzt nach den Ferien kam er zu mir und berichtete mir mit einem riesen Strahlen im Gesicht, dass er wieder ganz normal essen könne. Aber nicht nur sein Magenproblem hat sich verändert oder behoben, auch sonst ist er viel offener geworden. Heute sieht man ihn mit den anderen Jungs Fußball und Volleyball spielen und unglaublich viel rumalbern und lachen – voller Lebensfreude! Eigentlich fast zu schön um wahr zu sein! J

Und nun zum Shop.

Wie schon gesagt, eine ganz andere Arbeit als im Center mit den Kindern… man beschäftigt sich viel mit Touristen und man arbeitet in einem Businessgewerbe womit tagtäglich Geld für Baobab verdient wird. Wir verkaufen im Shop, fast ausschließlich Produkte vom Center. Die Kinder stellen vor allem in den Workshopweeks, die jede letzte Woche im Monat sind, viele Ding wie Batic, Kente oder Artpaints her. Neben dem Shop gibt es noch das Restaurant und die Snackbar, wo vegetarische Gerichte und Snacks, sowie verschiedene Säfte, verkauft werden, sowie eine kleine Schneiderei. Mit der Eröffnung des Guesthouses in den oberen Etagen kommt eine weitere Einnahmequelle hinzu. Die Geschäfte laufen gut und es lässt hoffen, das Baobab nun mehr und mehr Unabhängig von Deutschland und den Spenden wird und sich eventuel irgendwann einmal von selbst in Ghana tragen wird.

Jeden Tag kommen zwei Schüler in den Shop, die in die Cateringtätigkeiten und den Umgang mit Kunden eingearbeitet werden.

Kurz gefasst ist das der Shop, vielleicht werde ich in nächster Zeit nochmal mehr berichten, aber der Alltag besteht im wesentlichen daraus zu verkaufen, Bestellungen aufzunehmen oder den Kindern zu sagen was zu tun ist, wie z.B  Säfte herstellen oder ähnliches.

January 9th, 2011 by admin

UND es gibt neue Fotos unter Elmina rechts in der Spalte!

Reisetagebuch

January 9th, 2011 by admin
Meine Mitvoluntärin Isabel und ich haben uns am Montagmorgen eigentlich für über eine Woche auf Reisen in die Northern Region gemacht…
Wir mussten aber leider wegen Magenproblemen früher zurück kommen und hatten deshalb nicht wirklich viel von der Reise. Dennoch werde ich die ersten Tage, die ich “small small” in einem Reisetagebch festgehalten habe, hier mit einigen Bildern festhalten.
Leider konnten wir so nicht allzu viel erleben…aber wie man hier so gerne sagt…don´t worry, next time! :)
DAY I / 03|01|2011
Kissi – Cape Coast – Kumasi
Die Sonne war gerade inmitten des Hamartannebels aufgegangen, als Isabel und ich uns mit gepackten Rucksäcken von Kissi nach Cape Coast aufmachten. In Cape Coast angekommen stiegen wir in ein Tro-Tro Richtung Kumasi, in der Hoffnung das dieses bald lsfahren würde, damit wir noch möglichst viel vom Tag in Kumasi haben – fehlgeschlagen! Wir mussten über 2 Stunden darauf warten bis das Tro-Tro voll und bepackt war…aber all’ das war nur halb so schlimm fü uns zwei, da quasie minütlich an unserem Fenster verschiedenstes Essen, auf dem Kopf von ghanaischen Frauen, vorbeilief. Nach vier Stunden Fahrt, durch das immer dichter und grüner werdende Hnterland, haben wir dann endlich Kumasi erreicht. Die Luft wurde schon hier viel trockener als bei uns an der Küste, obwohl wir damit erst im höheren Norden gerechnet hatten. Aber auch die Stadt Kumasi war irgendwie anders als wir erwartet oder uns vorgestellt hatten…groß, entwickelt, vom Westen geprägt und irgednwie spührt man doch, dass die Ashanti- Region die reichste Gegend Ghanas ist. Ein geregeltes Straßennetz und ein großes Kulturzentrum, einen Zoo! … Der Zentralmarkt Kumasis gilt als der seiner Größe beeindruckenste Markt Afrikas, denn er ist so groß wie 14 komplette Fußballfelder. Nachdem wir ein Hostel gefunden hatten und ein bisschen durch die Stadt gebummelt sind haben wir usn entschieden, die Abendstundenvom Markt noch mitzubekommen. Es gibt dort wirklich alles zu kaufen und auch wenn wir längst nicht alles gesehen haben, weil die Zeit zu kurz war, waren wir danach schon völli platt…laut und bunt, unglaublich vital und einfach voller “ghanaischem Lebensgefühl” war dieser Markt. Als wir dann Abends auf der Suche nach etwas zu essen waren wir total erstaunt wie leer die Straßen waren. Es war fast schwierig was auf den Straße zu finden..ganz anders als wir es gewöhnt sind..alle Stände und Chopbars hatten eingepackt. Nachdem wir abe noch Fried Rice gefunden hatten haben wir den Tag auf einer wunderschönen Terasse, von der wir über ganz Kumasi einen super schönen Blick hatten, ausklingen lassen.
DAY 2 / 04|01|2011
Kumasi – Kubeasi – Rainforest
Nach Obst und Avocado ging es für uns weiter in den Regenwald. Nach langem hin und her gelaufe über den großen Markt und Busbahnhof hatten wir dann schließlich doch ein Tro-tro gefunden, was uns in das klitzekleine Dorf Kubease gefahren hat. Etwa vier Kilometer entfernt, liegt der fast unbekannte BOBIRI- Rainforest, der eigentlich wegen seiner Tiere unter Schutz gestellt ist. In Wahrheit ist es aber das artenreichstir Lust auf Natur und Regenwald hatten machten wir usn zu Fuß au durche Waldgebiet des ganzen Landes. Da wdas Nichts zum nahe gelegenen Camp vor Ort. Der Wald wurde immer dichter und höher, die Tiergeräusche immer lauter und exotischer…wir waren im Regenwald angekommen! Etliche bunte Vögel und Schmetterlinge in allen möglichen Variationen und Farben… Wenige Menschen begegneten uns auf der Strecke, aber unteranderem vier kleine Jungs, die alle mit einer kleinen Handschleuder ausgerüstet waren und ihrem Hobby Vögel schiessen nachgingen..einer der viere hatte einen Drahtkorb auf den Rücken gespannt, wo die geschossenen Vögelchen drin lagen. Nach etwa einer Stunde erreichten wir dann das Camp, wo wir aber schnell merkten, dass wir die enzigen Besucher sind. Mit einem kleinen lustigen Guide machten wir eine Tour durch den Wald und leider fingen unsere Magenprobleme schon hier an, sodass unser Tag früher als geplant zu Ende ging.
DAY 3 / 05|01|2011
Kubease – Kumasi – Tamale
Nach einer eiskalten Dusche und mit etwas Gänsehaut haben wir den doch recht kühlen Regenwald verlassen. Dadurch das zur Zeit Hamartanzeit ist, wird es tagsüber zwa noch über 30° Grad aber Nachts kühlt es dann schonmal auf 17° Grad ab… Gänsehaut zu haben und mal wieder ein bisschen zu frieren, war auf der einen Seite total unegwohnt, da man sich hier schon total aklimatisiert hat, aber auf der anderen Seite auch mal wieder ein total schönes Gefühl.
Nachdem uns vorrausgesagt wurde, das es recht problematisch werden kann ein Tro-Tro von dem kleinen Dorf zu bekommen, waren wir nach einer Stunde warten ziemlich stolz auf uns als wir im Auto saßen. Zurück in Kumasi haben wir, da wir anscheind serh planlos aussahen, von einem Ghanaer angeboten bekommen, dass er uns zur Busstation in Richtung Tamale bringen kann. Nach einer Stunde Marathon durch kleine Gässchen Kumasis waren wir dann angekommen und mussten auch nur nochmal zwei Stunden warten bis sich das super langsame und vollbepackte Tro-Tro in Bewegung gesetzt hat. Geplant waren sechs Stunden Fahrt, als wir aber bei der Hälfte der Strecke bei sechs Stunden angekommen waren und die Straßen immer schlechter wurden, wussten wir, was wr noch vor uns hatten! Toll war aber wie sich die Landschaft veränderte. Die Dörfer wurden immer kleiner und vereinzelter und die Hütten waren aufeinmal alle Rundbauten. Die Landschaft wurde immer dürrer und trockener…
In Tamale angekommen, waren wir beide ziemlich fertig und froh als uns unsere Couchsurverin Mariam abgeholt hat und wir so schnell wie möglich ins Bett fallen konnten.
DAY 4 / 06|01|2011
Tamale
Tamale, auf den ersten Blick schon eine andere Stadt, als die die wir von davor kannten… ein bisschen wie ein größeres Dorf, zu dem immer wieder versucht wurden größere Gebäude dazu zu bauen. Die Luft und die Hitze ist unheimlich trocken und überall kommt eine roter staubiger Sand entgegen. Motorräder und Fahrräder dominieren die Stadt, nicht nur von Männern, sondern auch von vielen Frauen befahren.
Die Menschen sind größer und unteranderem an ihrer Kleidung und an den vielen Moscheen kann man sehen, das die Region vom Islam geprägt ist.
Die Stimmung ist eine vollkommen andere… man könnte meinen in einem anderen Land zu sein…
Auch die ganze Musik, die bei uns an jeder Ecke läuft, war auf einmal verschwunden…

Ein etwas anderes Silvester und endlich gehts los auf reisen…

January 2nd, 2011 by admin

Ein Lagerfeuer am Center, Trommeln, Stockbrot und kein Zeitgefühl…so sah dieses Jahr mein Silvester in Ghana aus. Kein Feuerwerk, nur Wunderkerzen und selber bestimmen wann das neue Jahr anfängt…das habe ich total genossen.

- Euch allen wünsche ich von Herzen ein wunderschönes neues Jahr und ich hoffe, dass es euch gut geht! -

Morgen geht es für mich nun endlich auf reisen… Ich werde versuchen diese Zeit in einem Reisetagebuch festzuhalten und später hier posten. Wir werden eine Woche lang hoch in den Norden reisen…ich freue mich darauf euch bald alles zu berichten!

Ich würde mich freuen auch nochmal was von euch, aus dem kalten Deutschland, zu hören!!

Ein ganz normaler Tag…

December 20th, 2010 by admin

Es ist viertel vor sechs und ich wache von dem Leuten der Glocke, welche die ghanaischen Hostelmutter Mariama benutzt um die Kinder zu wecken, in meinem Bett auf. Um mich herum ein Moskitonetz und das Zwitschern von etlichen Vögeln und Grillen, die auch beim Sonnenaufgang erwacht sind. Etwas weiter entfernt, aber trotzdem noch ziehmlich laut und gut hörbar, da ich keine Fenster habe, die Moschee im nächstgelegen Dorf Kwainkhrum. Nachdem das große Fegen und saubermachen das Compagnons angefangen hat und die ersten Kinder schon an meiner Tür klopfen, raffe auch ich mich auf und beginne den Tag…

Nach einigen Pflastern und Cremes, einem Frühstück, was meistens aus einem Brei (Porridge) und einem Stück Weibrot besteht versammeln sich alle Kinder und eigentlich auch Lehrer, die allerdings häufig zu spät kommen, um viertel vor acht zur Assembly. Ordentlich in Reihen aufgestellt wird von etwa 60 Kindern im Alter zwischen 10 und 18 der Morgenspruch und das Vaterunser gesprochen und zum Schluss die Nationalhymne Ghanas gesungen. Im Marschschritt und in Zweierreihen geht’s dann für alle in ihre Klassenräume. Es gibt vier Klassen: Die Lowest Class, wo keiner der Schüler Englisch spricht, lesen, schreiben oder rechnen kann; Die Lower Class, wo das Niveau etwas höher ist und ein paar Worte Englisch verstanden werden; und Die Middle und Upper Class, wo der Unterricht auf Englisch stattfindet und vergleichbar mit der 6 – 8 Klasse bei uns in Deutschland ist. Die Schüler sind nicht dem Alter nach in Klassen eingeteilt, sondern dem Wissensstand eingeteilt.

Für mich heißt es dann erstmal ab in den Garten und Gemüse für einen Schüler pflücken, der das Schulessen nicht essen kann, da er ein ziehmlich problematisches Magenproblem hat, da er, wenn er Pepper, Salz etc. isst, Magenblutungen bekommt. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, ihm jeden Morgen ein seperates Essen zu kochen, da er sonst immer nur Reis oder Gari ohne alles bekommen hat. Wenn keine Krankenhausgänge mit anderen Kindern wegen Malaria oder anderen Krankheiten anstehen, setze ich mich oft in die Lowest Class in den Unterricht und beobachte die Kinder bei ihren kleinen Fortschritten und helfe an einigen Stellen.

Um elf Uhr klingelt es dann fürs Mittagessen und Nachmittags wenn für die Kinder die praktischen Fächer wie Kente weben, Cane und Bamboo, Schreinern, Nähen, Batique etc. beginnen gehe ich mit Isabel und dem Senior Samy auf die Farm und wir graben dort Beete um, sähen verschiedenstes Gemüse, zupfen Unkraut, wässern die Beete und zwischendurch gönnen wir uns manchmal auch eine frische Papaya, Kokosnuss, Banane, Orange oder Passionfruit, direkt vom Baum unserer Farm.

Um drei Uhr klingelt es dann wieder zur Assmbly, alle wichtigen Ansagen werden vom Schulmanager gemacht und dann finden entweder Extra Classes oder Sportunterricht von uns Volontären für die Kinder statt und Mittwochs ist Culture Troupe, wo nicht nur unsere Schüler mitmachen, sondern auch viele Kinder aus den Nachbardörfern kommen um mitzutanzen. Seitdem die „Großen“ von ihrer Deutschand- und Dänemarktour zurück sind ist die Motivation es auch mal so weit zu schaffen noch größer gewordern und es wird oft bis es dunkel wird traditionell getanzt und getrommelt. Wenn kein Programm ansteht spielen wir Karten, hüpfen Seilchen etc.

Um sechs Uhr heißt es dann allerdings für unsere Hostelkinder „Bathtime“ und essen gehen. Nach dem gemeinsamen Essen haben die Kinder bis acht Uhr Zeit zur freien Verfügung und um viertel vor acht gehe ich dann durch jedes Zimmer und bete mit den Kindern. Die Zeit vom Abendessen bis zum ins Bett bringen ist meistens die schönste Zeit mit den Kindern, da sie mir dann immer viel erzählen Deutsch und Englisch lernen wollen und mir Worte in Fante beibringen.

Wenn ich dann um halb neun meinen Arbeitstag abgeschlossen habe gehen ich entweder noch mit den anderen Freiwilligen ins Dorf, esse ein „Feierabend- FriedEgg“ :) oder falle einfach nur müde ins Bett.

Krankenhausbesuche und mein Job als Krankenschwester

Wenn Krankenhausgänge mit den Kindern anstehen, erledige ich diese meistens am Vormittag, da dort die Krankenhäuser noch nicht ganz so überfüllt sind wie am Nachmittag. Ab und zu aus dem Center rauszukommen und mal in ein anderes Dorf zu kommen, anderer Leute um sich herum zu haben etc. tut oft nach einer Woche im Busch leben gut, auch wenn ein solcher „Ausflug“ doch immer ziehmlich Zeitintensiv ist.

Auch wenn jedes Krankenhaus nochmal anders ist, ähneln sie sich doch irgendwie alle. Man kommt meistens in eine sehr große Wartehalle, wo viele Holzbänke stehen und etliche Mütter mit Kindern oder alte und kranke Menschen darauf warten, dass sie einen Platz weiter rücken können, damit sie zur Anmeldung kommen. Dort wird einem die Temperatur gemessen und man wird gewogen und einen Raum weiter geschickt, wo man darauf wartet ins Behandlungszimmer des Doktors aufgerufen zu werden. Insgesamt verbringt man etwa 3 Stunden, manchmal auch mehr, mit warten und rumsitzen. Viele schlafen auf den Bänken oder starren auf den Fernsehr, in dem schlechte amerikansische Soaps laufen oder Werbung für Idealmilk, Multivitamintabletten oder sonstige Nahrungsmittelergänzungen gemacht werden, die alle noch mehr Vitamine und Proteine enthalten als z.B. die Frucht an sich..der totale quatsch… Wenn man dann endlich aufgerufen wird, fragt der Doktor oft sehr uninteressiert was man für Beschwerden hat und nach etwa 5 Minuten wird man zum Drugstore weitergeleitet, wo man in vielen kleinen durchsichtigen Tütchen etliche Pillen verschrieben bekommt.

Als ich wegen Typhus im Krankenhaus war, muss ich allerdings gestehen, dass ich unfreiwillig den Obrouni- Bonus bekommen habe und so gut wie kaum warten musste und verhältnismäßig schnell fertig war. In solchen Momenten wird mir, obwohl ich mich hier immer heimischer fühle, jedoch oft bewusst, dass ich hier nie ganz heimisch werden kann, da ich immer ein Weißer bleiben werde und in fast allen Situationen „anders“ behandelt werde und das auch nicht beeinflussen kann.

Mein Job als Krankenschwester im Center ist sehr überschaubar, da ich oft wirklich nur Pflaster und Creme verteile, mal etwas größere Wunden verarzte oder Medikamente gegen Magenschmerzen, Übelkeit, Erkältung etc. gebe.

Alles in allem macht mir meine Arbeit viel Spaß, auch wenn ich am Anfang teilweise Schwierigkeiten hatte meine Arbeit zu finden, da ich sie mir wirklich suchen musste, da mein Arbeitsbereich nicht wie z.B. bei Isabel mit Farmarbeit genau festgelegt war.

Sooo, das wars jetzt erstmal von mir! Euch allen wünsche ich eine schöne Weihnachtszeit und ich hoffe, dass ihr bis zum neuen Jahr noch nicht im Schnee untergegangen seid… :)

Ich vermisse den Schnee und die Weihnachtsstimmung hier ein wenig, obwohl ich endlich mal für anderthalb Jahre nur Sommer habe, so wie ich es mir immer gewünscht habe…

Eure Leonie

Meine Umgebung

November 27th, 2010 by admin

Damit sich der ein oder andere meine Umgebung etwas besser vorstellen kann, habe ich versucht das Dorf Kissi, das Baobab- Center und Cape Coast etwas genauer zu beschreiben.

Hilfreich sind sicher auch die neuen Fotos, wer sie noch nicht gesehen hat :)

Kissi und das Center

Wenn man die ¾ stündige Fahrt von Cape Coast nach Komenda Junction mit einem klapprigen, meist sehr sehr vollen Tro-Tro, was auf der größten Verbindungsstraße an der Küste Richtung Westen durch die kleinen Dörfer immer hin und her fährt, hinter sich hat, steht man an einer großen Kreuzung, wo schon hunderte Frauen mit Brot, Gebäck, Fried Plantain, Groundnuts, Eiern und vielem mehr auf einen warten. Taxifahrer rennen auf einen zu und wollen einen über all hinbringen und Musik, Stimmen und das Geräusch der befahrenen Straße werden immer leiser, desto weiter man die Straße Richtung Kissi läuft. Auf dem Weg dorthin, begegnet man vielen Mneschen die einen nett grüßen und obwohl man schon langsam heimisch ist und viele einen kennen, rufen einem etliche Kinder immer noch „Oubruni, how are you?“ hinterher. Dieses Gefühl von heimisch sein, hat sich, vor allem in den letzten Wochen jedoch ziemlich verstärkt, denn wenn man Abends durchs Dorf läuft oder nach einem Wochenende wieder kommt, ist es ähnlich, wie wenn man in Deutschland im Urlaub war und Nachts mit dem Auto in die Ölbergstraße in Köln abbiegt und einem der gewohnte Geruch aus der Wohnung kommt oder Bekannte, wie z.B. die Bäckersfrau sich erkundigt wie es einem geht…

Wenn man nach Kissi kommt, läuft man geradewegs auf einen unscheinbaren Kreisverkehr zu, der Abends zum Treffpunkt aller Dorfbewohner wird. Von dem Kreisverkehr gehen vier Straßen ab, die alle in etwa gleich aussehen. Viele kleine Hütten teilweise aus Steinen, andere aus Lehm oder Holz gebaut ergeben das Dorf, was sich noch weit in das Hinterland erstreckt. Vor den Hütten werden alle möglichen Essenssachen verkauft und zwischen den vielen Kindern und Erwachsenen, die sich eigentlich den ganzen Tag und die Nacht über auf den Straßen aufhalten, laufen viele Ziegen, Schafe und Hühner herum. Es gibt eine Stelle, an der es einen Wasserhahn auf der Straße gibt. Vor allem Abends kann man dort beobachten, wie etliche Kinder und Frauen sich mit Eimern auf dem Kopf auf den Weg dorthin machen. Tagsüber läuft alles in der Regel sehr langsam und es wird sich nur so viel bewegt wie nötig ist, aber sobald die Dämmerung einbricht beginnt das Leben erst so richtig, abgesehen davon wenn Markttag (Dienstags) ist, da sind selbst die Dorfbewohner tagsüber hell wach und feilschen und verkaufen ihr Gemüse und Klamotten was das Zeug hält. Abends bauen alle Frauen ihr Stände zu Essständen um den Kreisverkehr herum auf denen dann jeweils eine Petroleumlampe steht, was ein total schönes Licht und Bild macht. Aus den Kirchen hört man dann auch wieder, wie morgens um etwa fünf Uhr schon einmal, den Gesang und die Gebete der Christen und Muslime gemischt aus ihren Kirchen. Anfangs war das total dominierend, aber inzwischen ist es einfach da und gehört dazu und oft hört man schon gar nicht mehr die viel zu stark und laut überdrehten Verstärker und Mikrofone aus denen alle paar Minuten „Amen“ ertönt.

Wenn man rechts beim Kreisverkehr abbiegt und etwa 500 Meter geht, kommt man auf eine Straße, die Richtung Kwiankrum und Baobab führt. Außer Bush gibt es dort nicht mehr viel. Man kann sich entscheiden: Nimmt man den etwas kürzeren Bushway, wo man aber auch mal damit rechnen muss, dass man durch warme kleine Sümpfe waten muss oder die Straße, wo man dann irgendwann einen roten Schotterweg, voll mit Schlaglöchern, sieht, der zum Center führt? Je nach Wetter nimmt man mal den, mal den anderen, aber nach circa 5 Minuten Buschweg sieht man auch schon das große Holztor von Baobab, was bunt bemalt ist. Auf einem Sandweg kommt man, am Wachsplatz vorbei zum Versammlungsplatz, der von Mangobäumen rundherum, bewachsen ist. Nicht weit davon befinden sich die kleinen runden Hütten, der Jungen. Ein Hostel, ist aber auch für sie im Aufbau. Nicht weit von den runden Hütten befinden sich die Plumpsklos und Kabinen zum duschen. Rechts von den Klos gibt es ein Volleyballfeld und direkt darüber befindet sich das Mädchenhostel und mein Zimmer. In dem Gebäude sind auch noch der Sewing- und Batiqueworkshop. Neben dem Mädchenhostel ist die Küche und Dininghall. Hinter der Dininghall wird das Jungshostel gebaut und inmittelbar in der Nähe finden auch die anderen Workshops wie Kente weben, Schreinern etc. statt. Hinter dem Versammlungsplatz gibt es drei Schulräume und die Farm und den Medizingarten. Das ganze Gelände ist immer mit Kinderstimmen – gelache und manchmal auch gestreite gefüllt. Hinzu kommen viele Vögel die ununterbrochen zwitschern und 3x die Woche die Culture Troupe mit Trommeln, Gesang und Tröten.

Wie ein „ganz normaler“ Arbeitstag von mir aussieht werde ich in einem der nächsten Berichte schreiben.

Cape Coast

Cape ist das komplette Gegenteil von Kissi und dem Center. Der Baobab Shop und das Hostel befinden sich auf einer belebten Straße, wo es viele Banken, Versicherungen und sogar einen Supermarkt gibt. Viele Taxis und große Autos bestimmen hier durch vieles Hupen den Ton und Musik schallt aus allen verschiedenen Richtungen. Menschen sind nochmal doppelt so viele wie in Kissi auf der Straße, die einem alle etwas verkaufen wollen. Von allem ist etwa doppelt so viel wei auf dem Dorf vorhanden und es gibt geteerte Hauptstraßen mit vielen Geschäften, Apotheken und Einzelhändlern und einen riesigen super bunten und vollen Markt (Kotukuraba). Dort fahren auch viele Tro-Tros nach Nord-, West- oder Ostghana :) ab. Das Meer ist nur 5 Minuten Gehweg vom Shop entfernt und direkt hinter dem Shop befindet sich das ziemlich heruntergekommene und arme Fischerviertel. Die Fischer kann man, am doch sehr verdreckten Starnd, wunderbar bei ihren Bootsgängen beobachten. Am Strand ist auch das Oasis, eine Bar, wo man gut baden gehen kann und Abends der Treffpunkt aller Bagpacker, Volus etc. wird. Unweit vom Oasis ist eine alte Sklavenburg, die an die mit einem Museum an die Sklaverei gedenkt.

Fotos!

November 14th, 2010 by admin

Ich habe Fotos von Accra und meinem Leben am Center, den Kindern und meiner Arbeit hochgeladen!

Einfach unter Fotos die Unterpunkte anklicken :) !

ACCRA – eine 2,5 Millionenmetropole voller Kontraste

November 14th, 2010 by admin

Letztes Wochenende war ich für drei Tage mit noch zwei anderen Volontären in Accra, der Hauptstadt Ghanas, welche etwa 3 Stunden von Cape Coast entfernt ist.

Wir haben viel erlebt und gesehen auch wenn die Zeit die wir vor Ort hatten etwas kurz war. In den drei Tagen habe ich die Stadt als riesig, laut, umwerfend und teilweise doch erschlagend erlebt. Es gab Momente in denen ich mich nicht mehr wie in Ghana, einem Entwicklungsland, gefühlt habe, sondern wie mitten in Europa. In Accra schlägt ein vollkommen anderer Puls als in Cape Coast oder gar Kissi, meinem kleinen neuen Zuhause mit nur knapp 800 Einwohnern; riesige überfüllte Busbahnhöfe, Einkaufszentren, Hochhäuser, Geschäftsmänner mit dicken Autos und Viertel, ausschließlich umfunktioniert zu Partymeilen stehen im Kontrast zu vielen armen Menschen, die mit der Hoffnung „in der Großstadt wird alles besser“ gekommen sind, überfüllten Straßen mit abertausenden klappernden gelben Taxis und Tro-Tros, viel Dreck und Gestank, aufgrund der auf der Straße verlaufenden Kanalisation.

Die Stadt wird durch verschiedene Circle in unterschiedliche Stadtteile eingeteilt, doch gibt es kein direktes Zentrum. Die Stadt besitzt unheimlich viele Märkte, einer der größten ist wahrscheinlich der Makaola-Markt, auf dem man alles von Kleidung und Schuhen über Haushaltswaren und Hygieneartikeln und Essen bekommen kann. Durch die vielen verschiedenen Angebote kommt ein buntes Bild zusammen und faszinierend und gleichzeitig schockierend sind vor allem die Metzgerstände, wo von Morgens sechs bis Abends sechs Uhr Fleisch verkauft wird, welches circa ab zwei Uhr Mittags in rötliche Lebensmittelfarbe getunkt wird, damit es noch so frisch wie am Morgen aussieht. Das Fleisch wird vor Ort je nach belieben zugeschnitten und wer möchte kann auch Beine, Hufen, Köpfe etc. kaufen. Die Märke sind immer proppenvoll und platzen fast aus allen Näten vor lauter Menschenmassen. Ganz anders war der „Shoprite“ in der Nähe des Flughafens in der riesigen Accra- Mall. Er gehört zu einer Südafrikanischen Supermarktkette und erinnert an einen riesigen Rewe- Supermarkt bei uns in Deutschland. Teigwaren, Käse, Wurst, Kekse, Schokolade, Shampoo, alles was ich normalerweise gewohnt bin, kam mir vor wie der pure Luxus. Wir sind mit einem riesen Einkaufswagen durch die klimatisierte Halle gelaufen und kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Alle möglichen Nationen aus aller Welt kamen uns entgegen und wurden später in riesigen Autos mit Chauffeuren abgeholt. Ein vollkommen andere Welt in Ghana offenbarte sich uns und wir waren alle froh, als der Spaß nach einer Stunde mit Einkauftüten für ein Frühstück voll mit Käse, Schwarzbrot, Marmelade und Apfelzimtkuchen auch vorbei war. Auch wenn ich einige Dinge hier manchmal vermisse, passt es doch irgendwie nicht hier hin und das Essen wie „Fried Egg“, gebratenen Maiskolben oder frische Kokosnüsse auf der Straße macht doch mehr Spaß!

Auffällig war auch die große Hilfsbereitschaft der Accraner. Sobald man irgendwo stand und nicht weiter wusste und etwas planlos in der Gegend herum stand, kam direkt jemand und hat gefragt wo wir hin wollen oder was wir suchen würden. Oft haben die Leute uns dann bis zu unserem gesuchten Platz begleitet und uns auf dem Weg viel erzählt von der Stadt, der Mentalität der Menschen und über „Sehenswürdigkeiten“. Wir haben zum Beispiel das Museum des ersten Präsidenten Ghanas, Kwane Nakrum, besichtigt, den Unabhängigkeitsstern oder das architektonisch total interessante „National Theatre“. Leider waren die Vorstellungen viel zu teuer, denn nach Erzählungen sollen diese super sein. Das Publikum geht wohl emotional total mit und spielt beinahe genauso viel Theater wie die Schauspieler.

Nächstes Wochenende geht es eventuell schon wieder nach Accra, da wir auf einer Beerdigung einer verstorbenen Mutter eines Lehrers bei uns eingeladen sind. Dann werde ich die Stadt wahrscheinlich wieder ganz anders wahrnehmen, da ich die drei Tage dort auch wieder mehr im Rausch, wie die ersten Wochen in Ghana überhaupt, erlebt habe. Die vielen neuen Eindrücke plätten einen immer total aber machen meinen Aufenthalt hier auch umso interessanter :)

October 10th, 2010 by admin

Es gibt jetzt auch erste Fotos von Kissi…von Cape Coast dem Shop…von mir…

Einfach unter Fotos die Unterpunkte  Cape Coast, Shop, und Kissi anklicken!!

2. Eintrag

October 10th, 2010 by admin

So, nun habe ich es endlich geschafft, nach fast sieben Wochen, meinen zweiten Bericht zu schreiben…Bei mir hat sich in den letzten Wochen einiges getan und wenn ich mir jetzt den ersten Eintrag durchlese, muss ich an einigen Stellen über mich selbst lachen … Inzwischen bin ich wirklich „angekommen“ und das Gefühl des Fremdseins wird immer weniger.

Die ersten zwei Wochen, in denen noch keine Schule war, habe ich wie im Rausch erlebt und sie kommen mir schon wieder unendlich weit weg vor. Wie man an meinem ersten Bericht noch sehen kann, war einfach alles neu für mich und dementsprechend überladen, mit Ereignissen und Eindrücken, habe ich auch alles revue passieren lassen. Es kann gut sein, dass einige Beschreibungen in diesem Bericht schon einmal im letzten erwähnt wurden, aber mir ist es wichtig, dass dieser Eintag vollständig und vor allem schöner geschrieben wird als der letzte.

Inzwischen hat die Schule hier angefangen und somit hat auch meine Arbeit begonnen. Ich lebe mit etwa 40 der 80 bis 90 Kinder im Center, wo sich auch die Schule, die Ausbildungsstätte und das Mädchenhostel befindet. Sie sind im Alter zwischen 10 und 18 Jahren, und zum größten Teil haben all diese Kinder noch nie eine Schule besucht und dementsprechend gemischt sind sie auch in vier verschieden schwere Klassen eingeteilt. Viele können nicht lesen, schreiben oder rechnen, andere wiederum können aber Englisch und beherrschen die wichtigsten Dinge der Mathematik. Die ersten drei Stunden finden täglich Academics statt, d.h. der theoretische Teil des Schulalltages. Die darauffolgenden Stunden sind darauf ausgelegt, dass die Kinder praktische Dinge wie Batik, Nähen, Schreinern, Weben etc. lernen, damit sie die Schule gleichzeitig mit einer abgeschlossenen Ausbildung z.B. als Schneiderin abschließen können. In Ghana können es sich viele Menschen nicht leisten eine Universität zu besuchen, aus diesem Grund ist es umso wichtiger, dass sie einen praktischen Beruf erlernt haben. Ich bin sozusagen mit noch einer anderen ghanaischen Mama, Mariama, die Hostelmama für rund 30 Mädchen und Krankenschwester für alle Schüler. Als Krankenschwester verarzte ich kleine Wunden der Kinder oder gehe mit ihnen ins Hospital wegen Malaria oder ähnlichem. Am Anfang dachte ich, dass ich der Aufgabe soviel Verantwortung zu übernehmen nicht gerecht werden kann, aber inzwischen klappt alles super gut und es ist immer wieder eine Abwechslung in die umliegenden Krankenhäuser zu fahren, neue Dörfer kennen zu lernen und vor allem zu merken, wie anders und viel langsamer hier einfach alles läuft. Als Hostelmama bin ich immer für die Mädchen da. Tagsüber spielen wir oft oder ich gebe mit den anderen Volontären z.B. Sportsclasses. Morgens besuche ich oft den Unterricht der untersten Klasse, doch ist es noch sehr schwer mich dort mit einzubringen, da die Kinder kein einziges Wort Englisch sprechen. Im Schulalltag ist die Sprache sonst eigentlich keine Hürde, da immer jemand Älteres zum übersetzen da ist oder sonst auch alles mit Händen und Füßen klappt. Ich hätte jedoch allgemein erwartet, dass in Ghana mehr Englisch gesprochen wird. Erstaunlich viele Menschen sprechen nur Fante und nur bruchstückhaftes Englisch. In den Abendstunden am Center ist es meine Aufgabe die Mädchen ins Bett zu bringen und mit ihnen zu beten. Die Zeit ist meistens mit die schönste von allen, da ich dort mit den Kindern noch mal persönlicher sprechen kann, sie bringen mir Fante bei, ich ihnen Deutsch und das gemeinsame beten hilft dabei eine innigere Beziehung aufzubauen. Allgemein sollen wir jedoch versuchen eine nicht allzu persönliche bzw. innige Beziehung zu den Kindern aufzubauen, da sie sich sonst sehr emotional an einen binden und wir keine Freunde seien sollen, sondern Autoritätspersonen. Die Kinder sind alle super süß und nett und inzwischen können sie auch alle halbwegs meinen Namen aussprechen, auch wenn ich für sie alle „ Madame Leolie “ bin. Die Mahlzeiten nehmen wir gemeinsam mit den Kindern ein. Das Essen ist wesentlich abwechslungsreicher als ich erwartet hätte und inzwischen schmeckt mir vieles richtig gut! Die ersten Wochen haben wir uns eigentlich nur von Dingen auf der Strasse ernährt und somit habe ich die einheimische ghanaische Küche, auch wenn sie teilweise etwas gewöhnungsbedürftig ist, immer mehr liebgewonnen J. Zu Fufu (Kasawa- Kochbananen-Brei), Kenke, Etzo (Maisklöße), Plantains (Kochbananen) oder Gari (gemahlene Yamwuzel) wird immer eine scharfe rote Soße gegessen, meistens mit Fisch oder Fleisch. Das fällt im Center meistens weg, da gerade Fleisch hier sehr teuer ist. Zum Frühstück gibt es meistens Weißbrot mit Kakao oder Oats. Der Kakao und die Oats werden mit Milchpulver zubereitet, was nicht schlecht schmeckt, aber natürlich mit frischer Vollmilch, hihi, ein viel größerer Genuss wäre. Natürlich werden hier alle Gerichte mit den Händen gegessen. Noch vermisse ich das europäische Essen noch nicht allzu sehr, da wir am Wochenende oft nach Cape Coast fahren und uns dort selber kochen können, was heißt, dass es dann auch mal Nudeln mit Tomatensoße, natürlich ohne leckeren Käse, oder selbstgemachte Pancakes oder Spätzle gibt. Aber trotz kleiner Sehnsuchtsanfälle nach Schokolade, Yoghurt, Milch, Käse, Brot…esse ich hier gerne und gut und da hier alles doch sehr fettig zubereitet wird habe ich, denke ich, auch schon ein zwei Kilochen zugelegt. Wir können uns auch immer Gemüse und Obst, wie z.B. Papayas von der Farm, die sich ebenfalls im Center befindet mitnehmen, das ist richtig gut! Die Farm ist inzwischen richtig groß und fast alles was für die Kinder gekocht wird und was im Shop und der Snackbar verkauft wird, stammt daher. Neben der Gemüse- und Obstfarm gibt es auch noch einen Medizingarten mit etlichen heilenden Pflanzen wie Aloe Vera, Lemongras, Artemisia, Hebiscus und vielen anderen… Ich bin zur Zeit mit einer anderen Volontärin daran, den Garten mehr auszubauen, d.h. das wir uns über alle Pflanzen mehr Informationen über ihre Heilwirkung etc. raussuchen und versuchen mit Informationstafeln zu jeder einzelnen Pflanze, den Kindern die Pflanzen in einem Rellay- Projekt näher zu bringen. Ghanaer können mit pflanzlicher Medizin sehr wenig anfangen und da gerade ich als Krankenschwester mich schwer tue den Kindern Paracetamol bei leichten Kopfschmerzen zu geben oder bei Hautausschlägen direkt hartes Cortison anzuwenden denke ich ist es sinnvoll mehr darüber zu wissen, wenn ein solch großer Garten vorhanden ist. Ich bin mal gespannt, wie sich das Projekt entwickeln wird… An das allgemeine Leben im Center habe ich mich schon total gewöhnt und ich fühle mich dort inzwischen richtig wohl. Mein Zimmer ist mir schon richtig vertraut und ich bin nie alleine, da ich immer Besuch von Eidechsen oder großen Spinnen oder anderen Insekten habe. Jeden Morgen wache ich von dem lauten Gezirpe aus dem Busch auf und wenig später um Viertel vor sechs klingelt Mariama die Kinder mit einer Glocke aus dem Bett. Danach gehen alle duschen mit einem großen und einem kleinen Eimer. Die Eimerdusche ist inzwischen richtig erfrischend und ein richtiges Ritual geworden, da man hier so unglaublich viel schwitzt, weil es eigentlich immer so zwischen 27- 31° Grad ist und man sich dann alles mit eiskaltem Wasser runterspülen kann. Zur Zeit ist Ende der Regenzeit und ab und zu regnet es auch sehr heftig und kurz. Ich bin mal gespannt auf die Trockenzeit die jetzt kommt, denn viel wärmer kann ich’s mir noch nicht wirklich vorstellen. Auch jetzt ist es schon stickig und oft stinkt es einfach überall, weil die Kanalisation in kleinen Gräben auf der Straße verläuft. Gerade auf Märkten, wo vor allem viel Fisch verkauft wird, ist der Geruch teilweise sehr krass und noch immer ist es manchmal für mich eine Überwindung dadurch zu gehen. Die Märkte sind proppenvoll und überhaupt nicht mit einem europäischen Markt zu vergleichen. Auf den Märkten hier gibt es alles aus kleinen Bretterhütten zu kaufen, von Lebensmitteln über Schuhe, Kleidung, Werkzeug, Alkohol und aller möglicher Krimskrams. Das komplette Leben findet hier auf der Strasse statt, was ich total genieße. Überall sind Menschen, Kinder die spielen, Musik, Frauen die singen oder sich unterhalten und schallend viel lachen…ein super buntes treiben. Wie oben ja schon erwähnt kann man hier ausschließlich auf der Straße essen und wenn man keine Lust hat zu laufen, setzt man sich einfach irgendwo hin und wartet 2 Minuten und schon laufen mindestens zehn verschiedene Händler mit den leckersten Sachen auf dem Kopf an einem vorbei. Mit einem Cedi ( 50 Cent) kann man sich hier richtig viele leckere Sachen zum satt werden kaufen. Man bekommt hier alles in Plastiktüten, nicht nur das Wasser nuckelt man daraus, sondern auch Reis mit Soße oder andere Gerichte. Hier in Ghana ist alles sehr sehr viel günstiger als bei uns. Nur wenn man Abends weggeht oder europäische Plagiate von Wurst oder Käse kauft wird es richtig teuer. Ins Oasis, eine Location und Bar hier direkt am Meer, gehen wir meistens abends am Wochenende. Dort treffen sich am Wochenende eigentlich so gut wie alle Packpacker, Volontäre und Einheimische. Ansonsten gibt es noch kleinere andere einheimische Kneipen. In meinem kleinen Dorf in Kissi kann man nicht viel unternehmen aber auch dort laufen wir oft noch durch die kleinen Strassen, essen oder trinken was kleines, oder unterhalten uns mit Ghanaern. Dort kennt wirklich jeder jeden und inzwischen ist es schon so, dass wir auch schon unsere Stände haben, wo wir immer einkaufen und viel gegrüßt werden, da wir inzwischen bekannt sind. Am Anfang haben uns alle noch nachgerufen und immer nach unseren Namen gefragt. Hier in Ghana hat fast jeder einen afrikanischen und einen englischen Namen. Der afrikanische Name wird danach bestimmt an welchem Wochentag man geboren ist. Mein Fante Name ist Ekuwa, da ich an einem Mittwoch geboren bin.

Ich hoffe, dass der nächste Bericht etwas schneller fertig sein wird als der Letzte…und das dieser euch gefallen hat!

Ich hoffe euch allen geht es gut!

Bis ganz bald und sonnige Grüße aus Ghana,

Eure Leonie